Von Barrikaden und Camps

„Protest/Architektur“ heissen zwei aktuelle Ausstellungen in Wien und in Teufen/Schweiz. Über die Schweizer Ausgabe, die in einer hinreissenden Architekturinstitution im ehemaligen Zeughaus des Kantons Ausserrhoden stattfindet, schrieb ich für die WoZ, die Schweizer „Wochenzeitung“.

Hier mein Artikel im Pdf, über den ich mich sehr freue!

Katharina Grosse @ Galerie nächst St. Stephan Vienna

Ausstellungsansichten aus der Albertina Wien und Galerie nächst St. Stephan, 2024

Capricci by Erwin Bohatsch

Anlässlich der Ausstellung des Malers und Künstlers Erwin Bohatsch in der Galerie Martin Janda Wien wurde ich eingeladen, einen einleitenden Text zu Bohatschs neuen Arbeiten zu schreiben. Der Besuch im Studio war ein absoluter Glücksfall von einer Begegnung mit einem Künstler, dessen Werke ich zwar schon lange kannte, den ich aber nie persönlich kennengelernt habe, obwohl wir seit langem in derselben Stadt leben. – Und obwohl wir beide an derselben Institution, der Akademie der bildenden Künste Wien, unterrichtet haben, sogar am selben Lehrstuhl. Aber ja, das Leben braucht manchmal lange, bis sich die Wege bestimmter Menschen kreuzen, und hier ist ein Auszug aus meinem Text zu den so überraschenden neuen Malereien Bohatschs, die unter dem Titel „Capricci“ vom 7. März bis zum 6. April 2024 gezeigt werden. Galerie Martin Janda

Anu Põder @muzeum susch

Anu Põder: Space for My Body, curated by Cecilia Alemani, is the first comprehensive show of the Estonian artist (1947-2013) in Switzerland’s mountain region of Lower Engadine. A visionary artist. There are many more fancy materials in the visual arts than just chisel and paint.

@ Muzeum Susch © PG 2024

Oświęcim

Tatsächlich scheue ich mich, die Wörter „KZ Auschwitz“ in diesen Blog zu tippen. Oświęcim – also den polnischen Namen für den Ort, wo sich die Massenvernichtung der Nazis im Zweiten Weltkrieg (neben anderen Schauplätzen) zugetragen hat – wirkt weniger kontaminiert. Im November 2023 habe ich das Konzentrationslager erneut besucht, nachdem ich als Kind mit meinen Eltern dort war. Das war noch in der kommunistischen Zeit. Und obwohl dieser Besuch des KZ so lange zurück liegt, kann ich mich an die Details der Präsentationen genau erinnern: die Berge von abgenommenen Brillen der Häftlinge, die medizinischen Prothesen, die zu Türmen gehäuft waren oder die Mengen alter Blechnäpfe, aus denen die Lagerinsassen ihre dünnen Suppen zu essen hatten. Ich konnte mich aber auch an die Öfen in Birkenau erinnern, die im Wald versteckt unter Ruinen noch zu dampfen schienen von der unaussprechlichen Last, die sie vernichten mussten. Die mehr als betroffene, immer wieder mit den Tränen kämpfende polnische Frau, die die Touristen durchführte, erzählte uns weitere Schrecklichkeiten: Von dem Kannibalismus, den es im Lager gegeben hat, von der Wannsee-Konferenz des Jahres 1942, wo bei einem lustigen Abendessen, die industriell organisierte Deportation von Millionen europäischer Juden beschlossen wurde oder von den fiesen Tricks, mit denen die Lagerkommandanten die Häftlinge glauben machten, sie gingen lediglich in die Dusche, statt in eine Todeskammer. Oder von den Tonnen Asche, die in die die Gegend durchziehenden Flüsse gekippt wurden und die da noch zu hängen scheinen. Die heutige Anlage ist immer noch eindrücklich, eindrücklich einfach und unmanipuliert gelassen sind die sinistren Baracken in Auschwitz, aber auch das weite Gelände von Birkenau, bewusst als eine komplette Ruine inszeniert.

Das moderne Besucher:innen-Zentrum passiert man durch einen Security-Check, um anschliessend in einer Art Memorienkorridor zum eigentlichen Lagergelände zu kommen. Die Bilder, die ich in dieser nach dem Regen feuchten Luft gemacht habe, sollen daran erinnern, dass der Horror real stattgefunden hat.

Massilia: Marseille!

Crazy Stadt: hügelig, powerig, konsumfreudig, historisch, unberechenbar, selbstbewusst, sexy. Mein erster Besuch im September 2023 war von Ambivalenzen geprägt: Der alte Hafen eine einzige Kneipenmeile, zugegeben, da gab es auch fantastisches, arabisch-inspiriertes Essen, aber ein Lokal neben dem anderen? Gleichzeitig sehr sorgfältig und dezent renovierte alte Bausubstanz wie das Fort Saint Jean oder die Vieille Charité. Dieses ehemalige Hospiz (gebaut 1671-1745) von Pierre Puget ist ein wunderbarer Ort der Ruhe, heute auch als Ausstellungsort genutzt. Und: das Mucem von Rudy Riciotti ist tatsächlich ein grossartiges Museum, die Ausstellung mit Videos zur französischen Alltagsgeschichte in der ‚Médinathèque‘, gehörte zum Besten, das ich seit langem gesehen habe. Alors on danse!

Architekturikonen müssen leiden (XXVI)

Triest/Italien: Die Risiera di San Sabba ist ein 1913 errichtetes Speichergebäude für Reis an der Grenze zu Muggia. Im Zweiten Weltkrieg war es unter Deutscher Besatzung ein Konzentrationslager für politische Gefangene, in dem über 2000 Menschen ermordet wurden. Das Lager diente auch als Transitstation für jüdische Menschen, die nach Auschwitz deportiert wurden. Der Gebäudekomplex wurde teilweise abgerissen und beherbergt heute ein Museum zur Lagergeschichte. Die eindrückliche Transformation zu einem architektonischen Mahnmal, das nichts vorgibt und alles offenlässt, stammt vom Triestiner Architekten Romano Boico, der das Gebäude in den 1970er-Jahren umbaute. (Fotos: Juli 2023)

Von Orten und Nicht-Orten

Es braucht einige Fantasie, um in Wiens Donau-City einen poetischen Spaziergang zu inszenieren. Matthias Klos und Hans-Jürgen Poëtz haben sich daran gewagt und ein Projekt lanciert, dass die „Nullebene“ dieses Stadtteils in den Fokus nimmt. Mein Beitrag für den poetologischen Rundgang versucht die stadtplanerischen Versäumnisse zusammen mit der Local Brigitte Redl-Manhartsberger vor Ort zu analysieren. Fazit: Es könnte so viel besser sein!

Hier liest du den Beitrag: Über der Nullebene // Auf der Donauplatte

Reißt die Hütte ab!

Anfang Mai war ich eingeladen, die grossartige Ausstellung von Michèle Pagel im Salzburger Kunstverein zu eröffnen: nachgetragene Szenenfotos vom Event + ein paar Werke vom Studiovisit davor. Diesen Engel gibt es nicht mehr!

„Reisst die Hütte ab!“ läuft noch bis zum 2. Juli im Salzburger Kunstverein

Architekturtheoretisches Kolloquium Einsiedeln

Ich freue mich sehr, beim diesjährigen 11. Architekturtheoretischen Kolloquim in Einsiedeln mit einem eigenen Beitrag dabei zu sein. Unten das Programm zum Downloaden, Gasthörer:innen sind willkommen, Anmeldungen unter:  info@bibliothek-oechslin.ch

Mein Vortrag beschäftigt sich mit Emil Kaufmanns ausschließlich aus der Theorie entwickeltem Begriff der Autonomen Architektur.