Texte: Diesmal: in springerin

Aktuelles aus der Schreibwerkstatt: Erschienen in der Frühjahrsausgabe der Zeitschrift springerin 1/22 > beide Texte: © Patricia Grzonka

Text 1: Ausstellungsreview Feliza Bursztyns Retrospektive im Muzeum Susch, 18.12.2021 – 26.06.2022 im Engadin/CH:

Text 2: Buchkritik des formidablen Bands „Rechte Räume“ von Stephan Trüby, erschienen beim Birkhäuser Verlag, 2020

Stano Filko Vortrag online

2005 erschien im Prager Verlag Arbor Vitae eine erste biographische Monographie über den sklowakischen Künstler Stano Filko (1937-2015), deren Text ich damals geschrieben habe. Filkos Kunst verbindet konzeptuelle Ansätze, Environments, Malerei und Installation in einem komplexen und vielschichtigen symbolischen Referenzsystem. Der Essay entstand auf der Basis von rund fünfzehn Atelierbesuchen beim Künstler in Bratislava. Dieses Jahr zeigt die Halle für Kunst Steiermark in Graz eine umfassende Retrospektive, die alle Phasen des eklektischen Werks enthält. Im Rahmen dieser Ausstellung ‚A Retrospective‘ hielt ich am 31. März einen Vortrag mit dem Titel „Eine Leiter zum Universum“. HIER der LINK zum VIDEO!

Halle für Kunst Steiermark, Graz, 31. März 2022 // Lecture Stano Filko

Luxus und Pandemie

traverzine, issue 08

Ein Text zur Pandemie, der in London während der fast aussschließlichen Bedingungen des Lockdowns und der Quarantäne 2020 und 2021 entstanden ist. Es geht um Architektur und Geschichte im East End Londons, Ausnahmebedingungen und die neoliberalen Veränderungen des Stadtbilds. Genauso aber auch um die Freiheit, die wir jeden Tag in unseren Bleiben geniessen dürfen.

Vielen Dank an Sarah Waring und ihrer wunderbaren Plattform traverzine, wo der Text downgeloadet werden kann – bald auch in Englisch!: traverzbooks.net

Architekturikonen müssen leiden (XXIV)

Die deprimierendste Baustelle der Welt: Das 170 Jahre alte Eckhaus im Wiener dritten Bezirk wird derzeit abgerissen, nachdem es jahrelang systematisch in den Leerstand getrieben wurde: Zuerst wurde das Dach abgerissen, danach die Wohnungen verkommen lassen. Ein beispielloses Versagen der Politik zugunsten Immobilienspekulation und zuungunsten eines fairen Mietrechts. Nicht nur, dass ein historisches, legendäres Gebäude mutwillig zerstört wurde, der Umgang mit den im Haus lebenden Mieter*innen mit gültigem Mietvertrat ist skandalös. #organisiertealtbauvernichtung
Hier geht’s zur weiteren Info WIENSCHAUEN // Info DER STANDARD

Save the Date: ‚Hatakma‘

Michał Budny mit neuen Arbeiten in der Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder in Wien. „Hatakma“ heissen sie, die enigmatischen Objekte, die zwischen Raum, Traum und der ‚Realität‘ der Zeichen angesiedelt sind. Don’t miss it!

Donnerstag, 20. Januar, 2022 Soft Opening ab 16 Uhr, meine Eröffnungsrede um 18.30.

Domgasse 6, 1010 Wien, bis 26. März 2022. Zur: Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder

The Cosmic House!

Charles Jencks‘ Versuch, „Bedeutung in die Architektur zurück zu bringen“ findet sich in seinem Haus in Westlondon, das vor kurzem als Museum unter dem Namen „The Cosmic House“ eröffnet wurde und absolut sehenswert ist (ich konnte es im November besuchen): Ein gebautes Manifest des Post-Modernismus, ein Albtraum für manche, aber auch ein wunderbares Beispiel eines idiosynkratischen Architektenhauses. „Cosmic“, soviel ist klar, bedeutete für Jencks (1939-2019) alles, was im Modernismus verboten und verpönt war: Symbole, Metaphern, Anspielungen, persönliche Vorlieben, Ironie.

In a way we were trying to put meaning back into architecture because signification was the great taboo or the great undiscussible element – and for so many other reasons. Charles Jencks, ‚half modern, half something else‘ / Interview mit Martin Beck, 2003

Anders ausgedrückt, lernen wir von Anfang an die kulturellen Zeichen, die jeden städtischen Ort für eine soziale Gruppe, eine wirtschaftliche Klasse und reale, historische Menschen auszeichnen, während die modernen Architekten ihre Zeit damit verbringen, alle diese spezifischen Zeichen zu verlernen, bei dem Versuch, für den Universalmenschen oder für den Mythos vom modernen Menschen zu planen. Charles Jencks, Die Sprache der postmodernen Architektur, Stuttgart, 1980 (Zweite deutsche Auflage)

Der größte Fehler, den die Architekten in diesem Jahrhundert begangen haben, ist vielleicht der, überhaupt geboren zu sein. (Ebd.)

17.000 Eisenbolzen lügen nicht

Über Abstraktion, Ökonomie und Wahrheit in Otto Wagners Postsparkasse

Die Universität für angewandte Kunst Wien sowie weitere wissenschaftliche Institutionen ziehen in Otto Wagners Postsparkasse in Wien ein. Im Oktober 2021 hielt ich im Rahmen der Vortragsreihe „Abstraktion und Ökonomie“ des Instituts Kunst und Wissenstransfer den Eröffnungsvortrag über Wagners legendäre Architektur im Gebäude mit dem schönsten Kassensaal der Welt!

Das Versprechen einer endlosen Erweiterung liegt am Beginn des Modernismus sowohl dem architektonischen Entwurfsprozess als auch der Zirkulation des Geldflusses zu Grunde. Otto Wagner realisierte 1906 in seinem paradigmatischen Bau des „K.K. Öst. Postsparkassenamts“ in der Wiener Ringstraßenzone eine künstlerische Vision, die sich in der Verwendung neuer Baumaterialien und avancierter Bautechnik konkret manifestiert. In diesem Vortrag wird Wagners ästhetisch reduzierter „Nutzstil“ auf seine Verwertbarkeit hinsichtlich einer universalen Theorie der Abstraktion geprüft und – vor allem – auf die Hard Facts eines Bankgebäudes an der Schwelle zu einer neuen Epoche übertragen.

Jetzt wird’s ernst, Timm Ulrichs!

Im Rahmen des 4-tätigen Symposiums „Konkrete Poesie und so“ im Kunsthaus Mürz führte ich mit dem deutschen Konzeptkünstler Timm Ulrichs ein – bisweilen sogar witziges – Gespräch über Ironie und Humor in seiner (der) Kunst. Hört rein bei Tag 2 des von Thomas Eder uns Sabine Kienzer kuratierten Festivals mit vielen spannenden Vorträgen und Performances; mein Beitrag beginnt bei Min. 47:00.

Architekturikonen müssen leiden (XXIII)

Villa Rotonda, by Andrea Palladio bei Vicenza/Veneto // The Ideal Villa, so nannte sie Colin Rowe, und da hat er irgendwie recht: denn die „Villa“ ist nicht so sehr ein Landhaus, in dem die „einfachen“ Dinge des Lebens gepflegt werden, als ein repräsentatives Gebäude, das auf Blickfang aus ist. Ein griechischer Tempel mit vier gleichen Seiten/Fassaden inmitten der bukolischen italienischen Landschaft. Entworfen und erbaut von Andrea Palladio, dem Renaissance-Architekten und grossartigen Erneuerer antiker und mittelalterlicher Baustrukturen um 1570. Selbst Goethe ist der Widerspruch zwischen (Selbst)-Anspruch und Plan aufgefallen:

Der Raum, den die Treppen und Vorhallen einnehmen, ist viel größer als der des Hauses selbst; denn jede einzelne Seite würde als Ansicht eines Tempels befriedigen. Und: Vielleicht hat die Baukunst ihren Luxus niemals höher getrieben.

Bei meinem Besuch Anfang August 2021 wurde die Villa Rotonda renoviert. Aber: Wenn es eine Architekturikone gibt, dann diese!