17.000 Eisenbolzen lügen nicht

Mittwoch, 20. Oktober 2021, 16:30

Ein Vortrag über Ökonomie, Abstraktion und Wahrheit in Otto Wagners Postsparkasse

Registrieren bitte unter diesem Link: ttps://pretix.eu/angewandte/OW

Aus Anlass des Erstbezugs der Universität für angewandte Kunst Wien sowie weiterer wissenschaftlicher Institutionen in Otto Wagners Postsparkasse darf ich diesen Vortrag in einem der legendärsten Gebäude mit dem schönsten Kassensaal der Welt halten!

Jetzt wird’s ernst, Timm Ulrichs!

Im Rahmen des 4-tätigen Symposiums „Konkrete Poesie und so“ im Kunsthaus Mürz führte ich mit dem deutschen Konzeptkünstler Timm Ulrichs ein – bisweilen sogar witziges – Gespräch über Ironie und Humor in seiner (der) Kunst. Hört rein bei Tag 2 des von Thomas Eder uns Sabine Kienzer kuratierten Festivals mit vielen spannenden Vorträgen und Performances; mein Beitrag beginnt bei Min. 47:00.

Architekturikonen müssen leiden (XXIII)

Villa Rotonda, by Andrea Palladio bei Vicenza/Veneto // The Ideal Villa, so nannte sie Colin Rowe, und da hat er irgendwie recht: denn die „Villa“ ist nicht so sehr ein Landhaus, in dem die „einfachen“ Dinge des Lebens gepflegt werden, als ein repräsentatives Gebäude, das auf Blickfang aus ist. Ein griechischer Tempel mit vier gleichen Seiten/Fassaden inmitten der bukolischen italienischen Landschaft. Entworfen und erbaut von Andrea Palladio, dem Renaissance-Architekten und grossartigen Erneuerer antiker und mittelalterlicher Baustrukturen um 1570. Selbst Goethe ist der Widerspruch zwischen (Selbst)-Anspruch und Plan aufgefallen:

Der Raum, den die Treppen und Vorhallen einnehmen, ist viel größer als der des Hauses selbst; denn jede einzelne Seite würde als Ansicht eines Tempels befriedigen. Und: Vielleicht hat die Baukunst ihren Luxus niemals höher getrieben.

Bei meinem Besuch Anfang August 2021 wurde die Villa Rotonda renoviert. Aber: Wenn es eine Architekturikone gibt, dann diese!

How will we live together ?!?

Die 17. Architektur Biennale in Venedig steht unter dem schönen Zukunftsthema wie wir gemeinsam – als humans und non-humans – leben wollen. Eindrücke einer überraschend gelungenen Ausstellung mit vielleicht gelegentlich etwas überladenen Pavillons, aber dann immer wieder grossartigen Präsentationen und Ideen.

Fotos: I giardini – Italian pavilion (2) – Austria and Japan – Germany

I sing against Monsanto

Very happy to have this article published on the website of Vienna Art Week: I sing against Monsanto.

This review refers to the current exhibition „And if I devoted my life to one of its feathers“ at Kunsthalle Wien; it’s a great show with lots of amazing works by mostly indigenous artists, altough I feel somehow critical about some aspects concerning the overall „excessive diversity of nations and conflicts that give rise to an arbitrary cartography of global mechanisms of oppression“. Get ready to read the full text.

And if I devoted my life to one of its feathers? Curated by Miguel A. López, Kunsthalle Wien

Works of art by artists – starts top left to the right: Manuel Chavajay, Castiel Vitorino Brasileiro, Zapantera Negra, Prabhakar Pachpute, Sheroanawe Hakihiiwe, Sophie Utikal, Bartolina Xixa, Jim Denomie, Anna Boghiguian, Patricia Belli, María Galindo & Danitza Luna, Olinda Silvano / Reshinjabe

Upcoming: Easy Reader @oegfa

Meine Arbeit „Die Erfindung der autonomen Architektur“ darf zum ersten Mal an die Öffentlichkeit und kann via Zoom-Live-Stream mitverfolgt werden. Ich freue mich, zu Gast in der Österreichischen Gesellschaft für Architektur zu sein, wo Gabriele Kaiser mit mir ein Gespräch führen wird. Unten der Ankündigungstext, und mit diesem Link geht es zur Veranstaltung, wo ihr den Zoom-Link findet:

https://oegfa.at/programm/jahresschwerpunkt/2021-raumbeziehungen/08-patricia-grzonka

Der österreichische Kunst- und Architekturhistoriker Emil Kaufmann (1891–1953) prägte den Begriff der „Autonomen Architektur“ zu Beginn der 1930er-Jahre ausgehend von Untersuchungen zum französischen Architekten Claude-Nicolas Ledoux. Kaufmanns Publikationen zur französischen Revolutionsarchitektur und zum Klassizismus zählen zu den wichtigsten architekturtheoretischen Texten des 20. Jahrhunderts. Während Kaufmanns Entdeckungen in den USA rasch Anerkennung fanden, sodass Anthony Vidler 2002 konstatieren konnte, dass Kaufmann „Generationen von Gelehrten dazu inspirierte, auf dem Gebiet der Revolutionsarchitektur zu arbeiten“, so ließ die wissenschaftliche Anerkennung in Europa Jahrzehnte auf sich warten. In ihrer aktuellen Forschung „Die Erfindung der autonomen Architektur“ untersucht Patricia Grzonka anhand bisher unerschlossener Quellen Emil Kaufmanns Beitrag zur Entwicklung der modernen Architekturgeschichte und -theorie, der anhand von (größtenteils postmodernen) Architekten exemplarisch im Werk von Oswald Mathias Ungers, Philip Johnson, Peter Eisenman, Aldo Rossi und Pier Vittorio Aureli diskutiert und aktualisiert wird.

Architekturikonen verdienen Respekt (VIII)

Das schönste Gebäude der Welt ist meiner Meinung nach das großartige Kulturzentrum ZIL im Moskauer Stadtteil Danilovsk. Geplant von Aleksander Vesnin und seinen Brüdern Viktor und Leonid in den frühen 1930er Jahren als Arbeiter*innenclub des größten sowjetischen Motorenwerks der Sowjetunion, dient es seit der Stillegung der Fabrik als zeitgenössisches kommunales Kulturzentrum. Mit mehreren Auditorien, Sälen, Veranstaltungsräumen, einem Planetarium und einem Restaurant – heute Bibliothek – stellte es ein Ideal sowjetischer Bildungs- und Kulturpolitik dar. An verschiedenen Details des an sich nüchternen konstruktivistischen Baus liest sich das noch ab, wie den strahlenförmigen Deckenverzierungen, die das Licht und die Sonne (einer neuen Zukunft) symbolisieren. Noch kaum je habe ich eine so perfekt ausbalancierte Architektur gesehen: Variierende Raumhöhen und „würdevolle“ Verbindungen der verschiedenen Gebäudeteile tragen zu einer ganz besonderen – vielleicht sogar erhabenen – Atmosphäre bei.

Alle Aufnahmen März 2020