Architekturikonen verdienen Respekt (VII)

Venedig, Punta della Dogana, markanter Ankerplatz und Umschlagplatz von Waren, am Beginn zum Canal Grande. Um 1680 von Giuseppe Benoni, der Umbau von Tadao Ando 2008/09 in ein Museum moderner Kunst. Fortuna oben auf der Weltkugel, jedoch und vor allem auch die Tierskelette am Fries – Zeugen einer archaischen Bedeutung von Architektur, die im symbolischen Opfer liegt, im Kult und in der Verschwendung.

Now, first, to define this Lamp, or Spirit of Sacrifice, clearly. I have said that it prompts us to the offering of precious things merely because they are precious, not because they are useful or necessary. It is a spirit, for instance, which of two marbles, equally beautiful, applicable and durable, would choose the more costly because it was so, and of two kinds of decoration, equally effective, would choose the more elaborate because it was so, in order that it might in the same compass present more cost and more thought.

John Ruskin, The Seven Lamps of Architecture

Und: wie wird es jetzt? Wird es?

wieland_Cat

Katze und Esel auf der Therapistencouch – die sozial ausgegrenzten Charaktere der Bremer Stadtmusikanten, die sich zusammentun und gemeinsam eine neue Zukunft erschaffen. Ist das nicht gleich ein Szenario für uns alle? So geht es im wunderbaren Video von Gernot Wieland, Thievery and Songs, das im Salzburger Kunstverein zu sehen war und bald auch in der Kunsthalle St. Gallen zu sehen sein wird. Mehr dazu in meinem Beitrag für Kunstbulletin.

Den Film gibt es auf der Website des Salzburger Kunstvereins coronabedingt online.

© Gernot Wieland

wieland_Donkey

 

Chronik eines schrittweisen Shutdowns

Wie sich die Kunstwelt in ganz kurzer Zeit völlig verändert hat. Hier zum Artikel auf > Monopol-magazin.de

Roman Signers Ausstellung in der Galerie Martin Janda Wien war die letzte Eröffnung vor dem Shutdown aus Gründen von Corona. Zu Signers wundersamer Kunst, die wie Zauberei aussieht, aber keine ist, kann man auch folgendes Interview nachlesen, das ich 2008 – lange her! – mit Roman führen durfte: „Es ist nicht einfach nur ein Chlapf!“

roman_signer_galeriejanda

Roman Signer: Ski mit Raketen, 2020 © Galerie Martin Janda, Wien

Architekturikonen müssen leiden (XX)

ledoux_villette

Die grandiose Rotonde de la Villette, eines von vier noch existierenden Zollhäusern von Claude Nicolas Ledoux, von ca. 1785:Revolutionsarchitektur“ at its best. Das sahen natürlich nicht alle so. Die verhassten Schranken des Zollgürtels von Paris wurden nach der Französischen Revolution fast alle demoliert:

Le mur murant Paris rend Paris murmurant. – Der Wall rund um Paris weckt den Groll von Paris.

Architketurikonen müssen leiden (IXX)

Frank Gehry, La Fondation Louis Vuitton, Paris, eröffnet 2014

Ein Gebäude, dessen Glas- und Eisenstruktur das Grand Palais der französischen Hauptstadt zitiert, aber auch den Eiffelturm grüsst. Unter den verschiedenen Dächerschalen liegt eine Terrassenlandschaft, die spektakuläre Blicke und Atmosphären bietet. Das Gebäude ist sein eigener Star – die Ausstellungsräume auf elf Ebenen im Inneren jedoch sind leider demgegenüber sekundär und wurden konzeptuell vernachlässigt.

Architekturikonen müssen leiden (XVIII)

Raxalpe, Raxkapelle, 1936, E: Edmund Zacher, Baumeister: Hermann Kubacsek

In der Tat: Eine schnörkellose Architektur. Neo-klassizistisch? Der Rationalismus der Zwischenkriegszeit wurde von Emil Kaufmann 1920 in seiner Dissertation quasi vorweg kommentiert: „Die strenge Beschränkung aufs Notwendige, aufs rational zu rechtfertigende findet ihren wärmsten Anwalt in Laugier. Ausserhalb des notwendigen kennt er keine Schönheit“. … Und etwas weiter unten: „Auch für die kleinsten Teile gilt dieses „Grand principe“ der Architektur“.