Save the Date: ‚Hatakma‘

Michał Budny mit neuen Arbeiten in der Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder in Wien. „Hatakma“ heissen sie, die enigmatischen Objekte, die zwischen Raum, Traum und der ‚Realität‘ der Zeichen angesiedelt sind. Don’t miss it!

Donnerstag, 20. Januar, 2022 Soft Opening ab 16 Uhr, meine Eröffnungsrede um 18.30.

Domgasse 6, 1010 Wien, bis 26. März 2022. Zur: Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder

The Cosmic House!

Charles Jencks‘ Versuch, „Bedeutung in die Architektur zurück zu bringen“ findet sich in seinem Haus in Westlondon, das vor kurzem als Museum unter dem Namen „The Cosmic House“ eröffnet wurde und absolut sehenswert ist (ich konnte es im November besuchen): Ein gebautes Manifest des Post-Modernismus, ein Albtraum für manche, aber auch ein wunderbares Beispiel eines idiosynkratischen Architektenhauses. „Cosmic“, soviel ist klar, bedeutete für Jencks (1939-2019) alles, was im Modernismus verboten und verpönt war: Symbole, Metaphern, Anspielungen, persönliche Vorlieben, Ironie.

In a way we were trying to put meaning back into architecture because signification was the great taboo or the great undiscussible element – and for so many other reasons. Charles Jencks, ‚half modern, half something else‘ / Interview mit Martin Beck, 2003

Anders ausgedrückt, lernen wir von Anfang an die kulturellen Zeichen, die jeden städtischen Ort für eine soziale Gruppe, eine wirtschaftliche Klasse und reale, historische Menschen auszeichnen, während die modernen Architekten ihre Zeit damit verbringen, alle diese spezifischen Zeichen zu verlernen, bei dem Versuch, für den Universalmenschen oder für den Mythos vom modernen Menschen zu planen. Charles Jencks, Die Sprache der postmodernen Architektur, Stuttgart, 1980 (Zweite deutsche Auflage)

Der größte Fehler, den die Architekten in diesem Jahrhundert begangen haben, ist vielleicht der, überhaupt geboren zu sein. (Ebd.)

17.000 Eisenbolzen lügen nicht

Über Abstraktion, Ökonomie und Wahrheit in Otto Wagners Postsparkasse

Die Universität für angewandte Kunst Wien sowie weitere wissenschaftliche Institutionen ziehen in Otto Wagners Postsparkasse in Wien ein. Im Oktober 2021 hielt ich im Rahmen der Vortragsreihe „Abstraktion und Ökonomie“ des Instituts Kunst und Wissenstransfer den Eröffnungsvortrag über Wagners legendäre Architektur im Gebäude mit dem schönsten Kassensaal der Welt!

Das Versprechen einer endlosen Erweiterung liegt am Beginn des Modernismus sowohl dem architektonischen Entwurfsprozess als auch der Zirkulation des Geldflusses zu Grunde. Otto Wagner realisierte 1906 in seinem paradigmatischen Bau des „K.K. Öst. Postsparkassenamts“ in der Wiener Ringstraßenzone eine künstlerische Vision, die sich in der Verwendung neuer Baumaterialien und avancierter Bautechnik konkret manifestiert. In diesem Vortrag wird Wagners ästhetisch reduzierter „Nutzstil“ auf seine Verwertbarkeit hinsichtlich einer universalen Theorie der Abstraktion geprüft und – vor allem – auf die Hard Facts eines Bankgebäudes an der Schwelle zu einer neuen Epoche übertragen.

Jetzt wird’s ernst, Timm Ulrichs!

Im Rahmen des 4-tätigen Symposiums „Konkrete Poesie und so“ im Kunsthaus Mürz führte ich mit dem deutschen Konzeptkünstler Timm Ulrichs ein – bisweilen sogar witziges – Gespräch über Ironie und Humor in seiner (der) Kunst. Hört rein bei Tag 2 des von Thomas Eder uns Sabine Kienzer kuratierten Festivals mit vielen spannenden Vorträgen und Performances; mein Beitrag beginnt bei Min. 47:00.

Architekturikonen müssen leiden (XXIII)

Villa Rotonda, by Andrea Palladio bei Vicenza/Veneto // The Ideal Villa, so nannte sie Colin Rowe, und da hat er irgendwie recht: denn die „Villa“ ist nicht so sehr ein Landhaus, in dem die „einfachen“ Dinge des Lebens gepflegt werden, als ein repräsentatives Gebäude, das auf Blickfang aus ist. Ein griechischer Tempel mit vier gleichen Seiten/Fassaden inmitten der bukolischen italienischen Landschaft. Entworfen und erbaut von Andrea Palladio, dem Renaissance-Architekten und grossartigen Erneuerer antiker und mittelalterlicher Baustrukturen um 1570. Selbst Goethe ist der Widerspruch zwischen (Selbst)-Anspruch und Plan aufgefallen:

Der Raum, den die Treppen und Vorhallen einnehmen, ist viel größer als der des Hauses selbst; denn jede einzelne Seite würde als Ansicht eines Tempels befriedigen. Und: Vielleicht hat die Baukunst ihren Luxus niemals höher getrieben.

Bei meinem Besuch Anfang August 2021 wurde die Villa Rotonda renoviert. Aber: Wenn es eine Architekturikone gibt, dann diese!

How will we live together ?!?

Die 17. Architektur Biennale in Venedig steht unter dem schönen Zukunftsthema wie wir gemeinsam – als humans und non-humans – leben wollen. Eindrücke einer überraschend gelungenen Ausstellung mit vielleicht gelegentlich etwas überladenen Pavillons, aber dann immer wieder grossartigen Präsentationen und Ideen.

Fotos: I giardini – Italian pavilion (2) – Austria and Japan – Germany

I sing against Monsanto

Very happy to have this article published on the website of Vienna Art Week: I sing against Monsanto.

This review refers to the current exhibition „And if I devoted my life to one of its feathers“ at Kunsthalle Wien; it’s a great show with lots of amazing works by mostly indigenous artists, altough I feel somehow critical about some aspects concerning the overall „excessive diversity of nations and conflicts that give rise to an arbitrary cartography of global mechanisms of oppression“. Get ready to read the full text.

And if I devoted my life to one of its feathers? Curated by Miguel A. López, Kunsthalle Wien

Works of art by artists – starts top left to the right: Manuel Chavajay, Castiel Vitorino Brasileiro, Zapantera Negra, Prabhakar Pachpute, Sheroanawe Hakihiiwe, Sophie Utikal, Bartolina Xixa, Jim Denomie, Anna Boghiguian, Patricia Belli, María Galindo & Danitza Luna, Olinda Silvano / Reshinjabe

Upcoming: Easy Reader @oegfa

Meine Arbeit „Die Erfindung der autonomen Architektur“ darf zum ersten Mal an die Öffentlichkeit und kann via Zoom-Live-Stream mitverfolgt werden. Ich freue mich, zu Gast in der Österreichischen Gesellschaft für Architektur zu sein, wo Gabriele Kaiser mit mir ein Gespräch führen wird. Unten der Ankündigungstext, und mit diesem Link geht es zur Veranstaltung, wo ihr den Zoom-Link findet:

https://oegfa.at/programm/jahresschwerpunkt/2021-raumbeziehungen/08-patricia-grzonka

Der österreichische Kunst- und Architekturhistoriker Emil Kaufmann (1891–1953) prägte den Begriff der „Autonomen Architektur“ zu Beginn der 1930er-Jahre ausgehend von Untersuchungen zum französischen Architekten Claude-Nicolas Ledoux. Kaufmanns Publikationen zur französischen Revolutionsarchitektur und zum Klassizismus zählen zu den wichtigsten architekturtheoretischen Texten des 20. Jahrhunderts. Während Kaufmanns Entdeckungen in den USA rasch Anerkennung fanden, sodass Anthony Vidler 2002 konstatieren konnte, dass Kaufmann „Generationen von Gelehrten dazu inspirierte, auf dem Gebiet der Revolutionsarchitektur zu arbeiten“, so ließ die wissenschaftliche Anerkennung in Europa Jahrzehnte auf sich warten. In ihrer aktuellen Forschung „Die Erfindung der autonomen Architektur“ untersucht Patricia Grzonka anhand bisher unerschlossener Quellen Emil Kaufmanns Beitrag zur Entwicklung der modernen Architekturgeschichte und -theorie, der anhand von (größtenteils postmodernen) Architekten exemplarisch im Werk von Oswald Mathias Ungers, Philip Johnson, Peter Eisenman, Aldo Rossi und Pier Vittorio Aureli diskutiert und aktualisiert wird.