Upcoming: Easy Reader @oegfa

Meine Arbeit „Die Erfindung der autonomen Architektur“ darf zum ersten Mal an die Öffentlichkeit und kann via Zoom-Live-Stream mitverfolgt werden. Ich freue mich, zu Gast in der Österreichischen Gesellschaft für Architektur zu sein, wo Gabriele Kaiser mit mir ein Gespräch führen wird. Unten der Ankündigungstext, und mit diesem Link geht es zur Veranstaltung, wo ihr den Zoom-Link findet:

https://oegfa.at/programm/jahresschwerpunkt/2021-raumbeziehungen/08-patricia-grzonka

Der österreichische Kunst- und Architekturhistoriker Emil Kaufmann (1891–1953) prägte den Begriff der „Autonomen Architektur“ zu Beginn der 1930er-Jahre ausgehend von Untersuchungen zum französischen Architekten Claude-Nicolas Ledoux. Kaufmanns Publikationen zur französischen Revolutionsarchitektur und zum Klassizismus zählen zu den wichtigsten architekturtheoretischen Texten des 20. Jahrhunderts. Während Kaufmanns Entdeckungen in den USA rasch Anerkennung fanden, sodass Anthony Vidler 2002 konstatieren konnte, dass Kaufmann „Generationen von Gelehrten dazu inspirierte, auf dem Gebiet der Revolutionsarchitektur zu arbeiten“, so ließ die wissenschaftliche Anerkennung in Europa Jahrzehnte auf sich warten. In ihrer aktuellen Forschung „Die Erfindung der autonomen Architektur“ untersucht Patricia Grzonka anhand bisher unerschlossener Quellen Emil Kaufmanns Beitrag zur Entwicklung der modernen Architekturgeschichte und -theorie, der anhand von (größtenteils postmodernen) Architekten exemplarisch im Werk von Oswald Mathias Ungers, Philip Johnson, Peter Eisenman, Aldo Rossi und Pier Vittorio Aureli diskutiert und aktualisiert wird.

Architekturikonen verdienen Respekt (VIII)

Das schönste Gebäude der Welt ist meiner Meinung nach das großartige Kulturzentrum ZIL im Moskauer Stadtteil Danilovsk. Geplant von Aleksander Vesnin und seinen Brüdern Viktor und Leonid in den frühen 1930er Jahren als Arbeiter*innenclub des größten sowjetischen Motorenwerks der Sowjetunion, dient es seit der Stillegung der Fabrik als zeitgenössisches kommunales Kulturzentrum. Mit mehreren Auditorien, Sälen, Veranstaltungsräumen, einem Planetarium und einem Restaurant – heute Bibliothek – stellte es ein Ideal sowjetischer Bildungs- und Kulturpolitik dar. An verschiedenen Details des an sich nüchternen konstruktivistischen Baus liest sich das noch ab, wie den strahlenförmigen Deckenverzierungen, die das Licht und die Sonne (einer neuen Zukunft) symbolisieren. Noch kaum je habe ich eine so perfekt ausbalancierte Architektur gesehen: Variierende Raumhöhen und „würdevolle“ Verbindungen der verschiedenen Gebäudeteile tragen zu einer ganz besonderen – vielleicht sogar erhabenen – Atmosphäre bei.

Alle Aufnahmen März 2020

Die Erfindung der autonomen Architektur

Doctor rerum socialium oeconomicarumque. erworben am 1. Februar 2021 auf der TU Wien. Ich freue mich darüber. Es ist der Abschluss eines jahrelangen Studiums im Bereich Architekturwissenschaften mit einer Dissertation unter dem Titel: Die Erfindung der autonomen Architektur. Eine Untersuchung zur Genealogie von Emil Kaufmanns kunst- und architekturhistorischem Begriff der Autonomie und dessen Rezeption in der Nach- und Postmoderne.

Ich untersuche darin unbekannte Quellen zum Schaffen des österreichischen, von den Nazis vertriebenen Architekturhistorikers Emil Kaufmann (1891–1953) und setze sie in Kontext zu seinem Begriff der Autonomen Architektur, den er in den 1920er- und 30er-Jahren entwickelt hat. Zudem enthält die Arbeit Verweise und Aktualisierungen von Kaufmanns Autonomer Architektur bei Architekten des späten 20. Jahrhunderts wie Aldo Rossi, Peter Eisenman, Philip Johnson, Oswald Mathias Ungers oder Pier Vittorio Aureli. Die Dissertation setzt sich mit diesem schillernden, von Kaufmann geprägten Begriff auseinander, der bis heute durch die Architekturtheorie „spukt“, wie Christian Kühn von der TU Wien in seinem Gutachten schreibt, der aber gleichzeitig durch seine uneingelösten Versprechen auch ein utopisches Moment behalten hat.

Kunsthighlights des Jahres @monopol_magazin

Die Hits des schwierigen Ausstellungsjahres 2020, veröffentlicht in Monopol_Magazin, wo ich mit meinen besten drei ebenfalls vertreten bin. Hier sind sie:

Reihe für Reihe, aber ohne eine spezifische Ordnung: a) Sommer des Zögerns / Summer of Suspense, Kunsthalle Zürich b) Into the Night. Die Avantgarde im Nachtcafé, Belvedere Wien in Kooperation mit dem Barbican, London c) The Botanical Mind. Art, Mysticism and the Cosmic Tree, Camden Art Centre, London

(Selbst) Architekturikonen müssen leiden (XXII)

Londons City wächst in einem wahnsinnigen Tempo: Was gestern noch alleine stand, ist morgen schon umzingelt. Es ist atemberaubend und beängstigend zugleich. Jedoch nicht alles, was gebaut wird, ist die Folge der schleichenden Zerstörung von Londons Altbausubstanz… Norman Fosters Swiss Re Tower (aka The Gherkin! – auf den Fotos 1-5) wurde 2001-2003 auf einem „freien“ Grundstück errichtet, nachdem das Gelände mit dem Gebäude der Baltic Exchange 1992 von der IRA zerbombt worden war. Fosters Bau wirkt heute wie ein Gruss aus der Vergangenheit. / Alle Fotos Nov./Dez. 2020

London’s city is growing at an insane rate: what stood alone yesterday will be surrounded tomorrow. It is both breathtaking and frightening. However, not everything that is being built is the result of the creeping destruction of London’s old buildings …. Sir Norman Foster’s Swiss Re Building (aka The Gherkin! – pics 1 to 5) was built in 2001-2003 on a „vacant“ plot of land after the site containing the Baltic Exchange building was bombed by the IRA in 1992. Foster’s building today looks like a greeting from the past.

Die Quarantäne-Serie

Der zweite London #lockdown fällt fast zusammen mit der Zeit der persönlichen Quarantäne. Viel Zeit zum Nachdenken über materielle und immaterielle Grenzen, über sogenannte Selbstisolation – und was das für ein seltsamer Begriff ist. Als könnte man sich selbst gefangen nehmen.

14 days of quarantine, Nov 4 to Nov 17, 2020 (starts top left), in the morning / Stepney Green

The second London #lockdown almost coincides with the period of personal quarantine. Plenty of time to think about material and immaterial limits, about so-called self-isolation – and what a strange term that is.