Die Ausstellung „Lebt und arbeitet in Wien“ in der Kunsthalle Wien als schöne Schau über die aktuelle Kunstszene in dieser Stadt. Aber sie tut niemandem weh. Hier kannst du meine Review, die ich für Monopol Magazin geschrieben habe, nachlesen. Und gleich ein Ausschnitt davon:






„Es gehört indessen zu den typischen Traditionen dieses Formats, dass alle diejenigen, die nicht ausgewählt wurden, zum totalen Verriss neigen, während die Gruppe der happy few der Beteiligten, wohlwissend schweigt. Dazu passt vielleicht ein Fun Fact dieser Ausstellung – die Beobachtung, dass in Wiens Kunstwelt gerade besonders viele Glocken geschlagen werden: Am lautesten diejenige von Florentina Holzinger (gehört sie doch auch zur Wiener Kunstszene) mit ihrer in Venedig so spektakulären 1450 kg schweren Glocke (‚O tempora, o mores‘ steht auf deren Außenwand), die von einer Performerin als Klöppel angeschlagen wird; aber auch im „Neuen Kunstverein Wien“ mit der Installation einer einstigen Totenglocke als Beitrag zu einer Ausstellung zum Thema Raumanordnung und Interieur; und eben auch in der Kunsthalle bei „Lebt und arbeitet in Wien“. Der Künstler Christoph Meier hat hier beim Hintereingang eine ortsspezifische Skulptur im Außenraum entwickelt, die eine überdachte Ecke, die während Eröffnungen gern für Rauchpausen genutzt wird, kurzzeitig in einen Sakralraum verwandelt. Das Publikum reagiert tendenziell sehr erschreckt, wenn die von Meier installierte, traditionell gegossene und mit Zigarettenstummeln und Feuerzeugen dekorierte Glocke zu läuten beginnt und die „soziale Plastik“ aktiviert wird. Die Glocke, die an die berühmte Wiener „Pummerin“ vom Stephansdom erinnert, mit der jeweils das neue Jahr eingeläutet wird, muss von Hand gezogen werden. Wenn sie losgeht, verstummt jedes Gespräch.“
