Luxus und Pandemie

traverzine, issue 08

Ein Text zur Pandemie, der in London während der fast aussschließlichen Bedingungen des Lockdowns und der Quarantäne 2020 und 2021 entstanden ist. Es geht um Architektur und Geschichte im East End Londons, Ausnahmebedingungen und die neoliberalen Veränderungen des Stadtbilds. Genauso aber auch um die Freiheit, die wir jeden Tag in unseren Bleiben geniessen dürfen.

Vielen Dank an Sarah Waring und ihrer wunderbaren Plattform traverzine, wo der Text downgeloadet werden kann – bald auch in Englisch!: traverzbooks.net

The Cosmic House!

Charles Jencks‘ Versuch, „Bedeutung in die Architektur zurück zu bringen“ findet sich in seinem Haus in Westlondon, das vor kurzem als Museum unter dem Namen „The Cosmic House“ eröffnet wurde und absolut sehenswert ist (ich konnte es im November besuchen): Ein gebautes Manifest des Post-Modernismus, ein Albtraum für manche, aber auch ein wunderbares Beispiel eines idiosynkratischen Architektenhauses. „Cosmic“, soviel ist klar, bedeutete für Jencks (1939-2019) alles, was im Modernismus verboten und verpönt war: Symbole, Metaphern, Anspielungen, persönliche Vorlieben, Ironie.

In a way we were trying to put meaning back into architecture because signification was the great taboo or the great undiscussible element – and for so many other reasons. Charles Jencks, ‚half modern, half something else‘ / Interview mit Martin Beck, 2003

Anders ausgedrückt, lernen wir von Anfang an die kulturellen Zeichen, die jeden städtischen Ort für eine soziale Gruppe, eine wirtschaftliche Klasse und reale, historische Menschen auszeichnen, während die modernen Architekten ihre Zeit damit verbringen, alle diese spezifischen Zeichen zu verlernen, bei dem Versuch, für den Universalmenschen oder für den Mythos vom modernen Menschen zu planen. Charles Jencks, Die Sprache der postmodernen Architektur, Stuttgart, 1980 (Zweite deutsche Auflage)

Der größte Fehler, den die Architekten in diesem Jahrhundert begangen haben, ist vielleicht der, überhaupt geboren zu sein. (Ebd.)

Kunsthighlights des Jahres @monopol_magazin

Die Hits des schwierigen Ausstellungsjahres 2020, veröffentlicht in Monopol_Magazin, wo ich mit meinen besten drei ebenfalls vertreten bin. Hier sind sie:

Reihe für Reihe, aber ohne eine spezifische Ordnung: a) Sommer des Zögerns / Summer of Suspense, Kunsthalle Zürich b) Into the Night. Die Avantgarde im Nachtcafé, Belvedere Wien in Kooperation mit dem Barbican, London c) The Botanical Mind. Art, Mysticism and the Cosmic Tree, Camden Art Centre, London

(Selbst) Architekturikonen müssen leiden (XXII)

Londons City wächst in einem wahnsinnigen Tempo: Was gestern noch alleine stand, ist morgen schon umzingelt. Es ist atemberaubend und beängstigend zugleich. Jedoch nicht alles, was gebaut wird, ist die Folge der schleichenden Zerstörung von Londons Altbausubstanz… Norman Fosters Swiss Re Tower (aka The Gherkin! – auf den Fotos 1-5) wurde 2001-2003 auf einem „freien“ Grundstück errichtet, nachdem das Gelände mit dem Gebäude der Baltic Exchange 1992 von der IRA zerbombt worden war. Fosters Bau wirkt heute wie ein Gruss aus der Vergangenheit. / Alle Fotos Nov./Dez. 2020

London’s city is growing at an insane rate: what stood alone yesterday will be surrounded tomorrow. It is both breathtaking and frightening. However, not everything that is being built is the result of the creeping destruction of London’s old buildings …. Sir Norman Foster’s Swiss Re Building (aka The Gherkin! – pics 1 to 5) was built in 2001-2003 on a „vacant“ plot of land after the site containing the Baltic Exchange building was bombed by the IRA in 1992. Foster’s building today looks like a greeting from the past.

Die Quarantäne-Serie

Der zweite London #lockdown fällt fast zusammen mit der Zeit der persönlichen Quarantäne. Viel Zeit zum Nachdenken über materielle und immaterielle Grenzen, über sogenannte Selbstisolation – und was das für ein seltsamer Begriff ist. Als könnte man sich selbst gefangen nehmen.

14 days of quarantine, Nov 4 to Nov 17, 2020 (starts top left), in the morning / Stepney Green

The second London #lockdown almost coincides with the period of personal quarantine. Plenty of time to think about material and immaterial limits, about so-called self-isolation – and what a strange term that is.